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Übersicht Kunstorte
Kunstraum Müller

derzeit im Kunstraum und Skulpturengarten ausgestellte Künstler: Gottfried Helnwein,
Anton Christian, Hermann Nitsch,
Hubert Scheibl, Max Weiler, Gunter Damisch, Liliane Tomasko, Walter Moroder,
Bruno Walpoth, Mario Dilitz, Elena Steiner, Martin Schnur, Franz Gyolcs, Erwin Wurm, Gerda Fassel, Monika Verhoeven,
Joannis Avramidis, Alfred Hrdlicka,
Josef Pillhofer, Rudolf Kedl, Andreas Urteil

Konrad Patzenhofergasse 1, 7011 Siegendorf

Kunstraum Siegendorf. Die Sammlung Müller

Der Kunstraum zeigt in seiner aktuellen Ausstellung eine Auswahl an Kunstwerken aus der Sammlung Müller.
Die von außen eher unauffällige Kunsthalle in Form eines modern gestalteten Stadels stellt in seinem hellen Innenraum Kunstwerke bedeutender KünstlerInnen der jüngeren österreichischen Kunstgeschichte aus. Zu sehen sind Größen wie Gottfried Helnwein, Hermann Nitsch, Hubert Scheibl, Joannis Avramidis, Alfred Hrdlicka neben weiteren international bekannten und auch regionalen burgenländischen KünstlerInnen.

Bei einem Durchgang durch die Ausstellung wird sehr bald deutlich, dass sich die KünstlerInnen bei allen stilistischen und formalen Unterschieden einem zentralen Thema widmen: Dem Menschen. Der Mensch als Individuum, der Mensch in einer Welt die er erschafft und gestaltet oder auch hinterfragt. Eine Welt, die ihn inspirieren oder aber schockieren und ängstigen kann. Was macht den Menschen aus? Was prägt ihn? Was sind seine Ängste, seine Sorgen? Kunst ist immer ein Spiegel unserer Zeit und gesellschaftlichen Entwicklung, sie ermöglicht uns neue Sichtweisen, ein Hinterfragen unserer gesellschaftlichen Werte und sie hat die Kraft, bestimmte Themen anzusprechen, für die Worte nicht mehr ausreichend sind. Ein Auf und Ab der Gefühle ist dem Besucher der Ausstellung sicher. Ein großer Teil der Ausstellung zeigt Werke von Gottfried Helnwein und Anton Christian. Die hyperrealistischen Werke des „Schockmalers“ Gottfried Helnwein faszinieren, verstören und schockieren zugleich. Seine Werke sind als Anklage gegen Grausamkeit und gesellschaftliche Missstände zu verstehen und thematisieren Tabuthemen wie Missbrauch, Nationalsozialismus oder den Holocaust. Stellvertreter des misshandelten Menschen ist das verletzbare, wehrlose Kind, das Helnwein in Uniformen steckt oder uns mit verbundenen Augen und einer Waffe in der Hand die Schrecken des Krieges vor Augen hält. Auch in Sujets biblischer Erzählungen aus dem Leben Jesu mit Verweisen auf den zweiten Weltkrieg ist das junge Mädchen zu finden, Bilder die Gefühle des Schreckens evozieren und uns so die Gräuel des Krieges, der Ohnmacht und Angst uneingeschränkt aufzeigen. Auch der Tiroler Künstler Anton Christian behandelt das Thema des Krieges in seinen Werken. Der Mensch steht auch hier im Mittelpunkt des Schaffens mitsamt Themen, die öffentlich nicht gerne behandelt werden: Schmerz, Angst, Trauer, die Gebrechlichkeit des Alters, psychisches Leid, Krieg und Tod. Das Triptychon „Beschädigungen“ gibt, ausgehend vom Kosovokrieg, einen Kommentar zum Krieg in Europa ab, ein Thema das uns gerade in letzter Zeit wieder schmerzlich beschäftigt und in Schrecken versetzt. Trotz des Schocks, der Trauer und der Hilflosigkeit, welche die Bilder Helnweins und Christians erzeugen, wirken sie anziehend und geben durch ihre auslösenden Reaktionen dennoch einen Funken Hoffnung mit.
Als eine „Auferstehung“ beschreibt hingegen Hermann Nitsch die Gemälde seiner aktuellen farbintensiven Schaffensperiode. Der Mitbegründer des Wiener Aktionismus, berühmt für seine Kunstaktionen mit Blut und tierischen Eingeweiden, ließ sich in den Schüttbildern von Blumenarrangements, ihrer kräftigen Farbigkeit und ihrem Licht inspirieren. Ganze Welten öffnen die abstrakten Maler dem Betrachter: Eine mystische Auseinandersetzung mit Natur und Phantasie in den Werken Max Weilers, den Mikro- und Makrokosmen Gunter Damischs, bis zu den Großformaten Hubert Scheibls als emotional aufgeladene Projektionsflächen für die Gefühle des Betrachters. Liliane Tomaskos abstrakte Arbeiten bringen den Besucher in den häuslichen Bereich des ungemachten Bettes, das als Zeuge wichtiger Lebensereignisse steht, sowie als Ort, an dem es uns möglich ist, eine Verbindung mit dem Unterbewussten einzugehen. Durch die Thematisierung des Stoffs und des Häuslichen versucht die Künstlerin auch weibliche Sujets in die Kunstgeschichte einzufließen zu lassen. Elena Steiners Werke beschäftigen sich mit gesellschaftlichen Rollenzwängen, Genüssen und Sehnsüchten des sozialisierten und sexualisierten Menschen und stellen Fragen nach sozialer Anerkennung und Selbstbestimmung, während die Figuren Martin Schnurs nach ihrem Platz in der Welt suchen. Isoliert im Raum, meist vor einem Spiegel, dessen Reflexionen sich nicht mit der Wirklichkeit decken, lassen sie uns unsere Sicht auf die Welt hinterfragen, und spielen mit der Fähigkeit unseres Gehirns, Teile eines Bildes zusammenzufügen, zu ergänzen oder aufgrund unserer Erfahrungen bereits Gesehenes in ungewohnten Settings zu erkennen. Wie Wächter werden die Gemälde von Skulpturen flankiert – ironische Figuren Erwin Wurms, die erst auf den zweiten Blick ihren komplexen Inhalt freilegen und in sich gekehrte Holzskulpturen von Mario Dilitz und den Südtiroler Bildhauern Bruno Walpoth und Walter Moroder.
Im Skulpturengarten gehen die Bildhauer und Wotruba-Schüler Alfred Hrdlicka, Rudolf Kedl, Andreas Urteil, Josef Pillhofer und Joannis Avramidis der Frage nach der Idealform der menschlichen Figur nach, eine Frage, die von den voluminösen Torsi und Frauenfiguren Gerda Fassels vehement zurückgewiesen wird. Ihre massiven Figuren, gezeichnet von aufgerissenen Bruchstücke, Rissen und Schnitten verweisen einmal mehr auf die Vulnerabilität des Menschen, zeigen ihre Wunden jedoch auch stolz zur Schau, und lassen den Gedanken zu, dass der Mensch mehr erträgt und stärker ist als er für möglich gehalten hätte. Allen Fragen, Ängsten und Sehnsüchten des Menschen wird in den Kunstwerken Raum geben.Und der Kunst ein Raum.