Karte
Übersicht Künstler*innen
Nicolas Dellamartina

Malerei, Bildhauerei, Fotografie

Bahnhofring 3
8380 Jennersdorf

Nicolas Dellamartina - hybride Malerei im postheroischen Zeitalter / von Peter Funken

… Dellamartina zeigt zugleich phantastische Landschaften, wie gegenstandslose Malerei. Beides wird hier nicht zum Gegensatz, in seiner Kunst liegen die Dinge sehr nah beieinander - oder sollte man besser sagen: Sie finden zusammen statt? Dies scheint charakteristisch für Malerei, denn ähnlich wie bei Kippfiguren, wo zugleich Verschiedenes zur Anschauung kommt, sieht man doch zuerst das eine und später dann das andere. So auch hier: Die große freigestellte Form, die erhöht auf Klippen über einer blauen horizontalen Fläche hervorragt, erinnert sofort an die geflügelte Nike von Samothrake ... wenn man die Skulptur der Siegesgöttin kennt und erkennt. Damit entsteht diesem Bild Dellamartinas sofort ein besonderer Sinn, denn es entführt die Betrachter anscheinend an ein mediterranes Gestade und in eine antike Zeitlosigkeit. Doch kann diese Arbeit auch ohne das Vorwissen um die Nike betrachtet werden, doch dann würde man vor allem eine spannungsvolle Begegnung von freien mit geometrisch geformten Flächen wahrnehmen, die eine ausgewogene Komposition zusammenhält.

Dellamartina schafft in seiner Malerei Raum für parallele Sehweisen und paradoxe und hybride Wahrnehmungsmöglichkeiten, die sowohl das Irreale und Surreale - die Nike am Strand - umfassen oder einbinden, wie zugleich das Konkrete der Malerei, also das nur auf sie verweisende Ereignis der Begegnungen von Farben und Formen im zweidimensionalen Rechteck des Bildes. In dieser Spannung oder Perspektive ist Dellamartinas Kunst angelegt. Und das bedeutet, sie will vor allem nicht festlegen, sondern ermöglichen und zulassen. Damit beginnt ein Stück Freiheit, also das Ernstnehmen derjenigen, die seine Kunst betrachten. Dass sich aufgrund vieler horizontal organisierter Kompositionen oft zuerst die Vorstellung eines Landschaftsbildes aufdrängt, widerspricht der hier vorgestellten These von der Gleichzeitigkeit und Gleichrangigkeit nicht, denn bei längerem Betrachten vermag das reine Ereignis von Malerei dennoch hervorzutreten. …