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Kunstorte Nordburgenland
Sonntag, 26. April 2026
Samstag, 25. April 2026
10:00-18:00
Samstag & Sonntag
Landesgalerie Burgenland

"Lisa Großkopf. Stabile Performance"
kuratiert von Andrea Popelka

Lisa Großkopfs Einzelausstellung 'Stabile Performance' thematisiert den Leistungsdruck der Gegenwart. Humorvoll, kritisch und schmerzhaft zeigen Videos, Fotografien, Installationen und Performances die Unerfüllbarkeit ständiger Selbstoptimierung. Die Ausstellung fasst Erwartungen an Kunst und Künstler*innen zusammen: schön, zeitlos, leidend. Großkopfs Frage bleibt: Warum eigentlich?

Franz Schubert-Platz 6
7000 Eisenstadt

Andrea Popelka zur Ausstellung

Lisa Großkopfs Einzelausstellung Stabile Performance in der Landesgalerie Burgenland befasst sich mit den multiplen Bedeutungen des Begriffs „Performance“, der sowohl in der Kunst als auch in Arbeit und Wirtschaft verwendet wird.

Im ökonomischen Sinn dient Performance” der Bewertung von Leistung: Ist eine Arbeiterin effizient? Eine Aktie profitabel? Wie verhalten sich diese Anforderungen zur Performancekunst? Autor*innen wie Marina Vishmidt haben argumentiert, dass beide miteinander zu tun haben. Sie schrieb, dass Performancekunst neuere Arbeitsformen vorwegnahm, indem sie „einen Wandel hin zu (Selbst-)‚Performanceals Bewertungsmaßstab aller Arbeit voraussagte.

Vor diesem Hintergrund widmet sich Großkopf dem Einfluss des Performancediktums auf unser Selbstverständnis und Privatleben. In welchen Bereichen überschreiten wir uns selbst oder schaden uns, um eine Art inneren Mangel wettzumachen? In den Arbeiten kommen schmerzhafte Gesichtsbehandlungen ebenso vor wie körperliche Grenzerfahrungen in der Performancekunst. Wie viel lässt sich aus dem (weiblichen) Körper herausholen? scheinen diese Praktiken zu fragen. Warum versuchen wir überhaupt, den Körper derart auszupressen? – das ist Großkopfs Gegenfrage.

Diesen Interessen folgend, reflektiert die Künstlerin die materiellen Bedingungen, die der Produktion von Kunst zugrunde liegen. Eine ihrer Strategien besteht darin, sich unterschiedliche Formen von Arbeit anzueignen und diese teils selbst auszuüben – etwa indem die Künstlerin als Museumsaufsicht tätig wird. Durch die Gegenüberstellung von Kunst und Arbeit legt Großkopf strukturelle Ungleichheiten des Feldes offen. Wie werden Arbeiter*innen im Kunstbetrieb ausdifferenziert und ihre Tätigkeiten verunsichtbart – sei es durch Institutionen oder durch Künstler*innen selbst, die ihre künstlerische Arbeit zum Teil an andere delegieren?

Während der Eröffnung der Ausstellung bilden – in Anlehnung an Marina Abramovićs und Ulays berühmte Performance Imponderabilia von 1972 – zehn Performer*innen einen schmalen Durchgang, den die Besucher*innen passieren dürfen. Unter anderem durch die Einbeziehung von Aussagen der Performer*innen über ihre Arbeit und deren Bedingungen thematisiert die Performance Kernthemen wie Ausbeutung und Autor*innenschaft auf kritische und zugleich humorvolle Weise. Mit ihrer Aneignung und Neuinterpretation von Imponderabilia kritisiert Großkopf die Glorifizierung einzelner Künstler*innen. Im Gegenzug spielt sie mit der Kollektivität der Performance und ihrer Tendenz, sich als offene Partitur zu verbreiten. 

So untersucht die Ausstellung auch wie Performancekunst – ein zeitbasiertes und körpergebundenes Medium – in institutionellen Kontexten präsentiert, vermittelt und kommodifiziert wird. Ein Shop am Ende des Rundgangs reflektiert diese Prozesse weiter, indem er die vermeintliche Trennung zwischen Ausstellungsraum und Verkaufsraum augenzwinkernd infrage stellt.




Lisa Großkopf (1989, Wien) lebt und arbeitet in Wien und Weiden am See (Burgenland). Sie studierte an der Universität für angewandte Kunst Wien, der Akademie der bildenden Künste Wien und der Kunstuniversität Linz. Ihre Arbeiten wurden u. a. im Lentos Kunstmuseum Linz, bei der Ars Electronica, im Belvedere 21, im Museum der Moderne Salzburg und im Kunsthaus Graz gezeigt. Internationale Präsentationen führten sie nach Tel Aviv, Hamburg, Budapest, Teheran, Amsterdam und Kassel.

Großkopf erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Gabriele-Heidecker-Preis, das Emanuel-und-Sofie-Fohn-Stipendium, das Große Kunststipendium des Landes Burgenland, das Startstipendium für Fotografie sowie den Würdigungspreis der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre Werke befinden sich in öffentlichen Sammlungen in Österreich und Deutschland, darunter im Wien Museum und im Museum für Angewandte Kunst Frankfurt.

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