Karte
Übersicht Künstler*innen
Daniel Bucur

Bindergasse 6
7122 Gols

DAS LEBEN DER HÖLZER Daniel Bucurs Skulpturen stehen niemals still. Sie sind in steter Bewegung, sie fließen, neigen, verschränken, ergänzen und berühren sich. Tanzendes, fliegendes, lachendes, manchmal auch behütendes — immer aber lebendiges, mit Raum und Betrachter flirtendes Holz. Bucur transformiert es in Formen, die man dem Ursprungsmaterial nicht zugeordnet hätte: so wird es biegsam, fließend, pulsierend, magnetisch, magisch. Seine Hölzer geraten zu neuem Leben, werden menschlich, übermenschlich, animalisch. Bucur schnitzt seine Interpretation des Beseelten, das berührt und auch berührt werden sollte. Bevor er an sein Werk geht, hält er inne und betrachtet das Stück mit geschlossenen Augen und wachem Geist, um seinen Charakter zu begreifen. Viele seiner Skulpturen entstehen rund um das, was schon da gewesen zu sein scheint und lediglich der Betonung bedarf. Bucur sieht denn innigen Kuss, wenn er sich noch tief im Inneren des Holzes verbirgt. Behutsam schält er Span um Span von der Oberfläche, legt Lippen frei, bläst und streicht über das Holz, formt mit väterlicher Beflissenheit das Profil. Fast könnte man meinen, Daniel würde den Urzustand restaurieren und nicht gänzlich Neues schaffen — so logisch scheinen seine Transformationen zu sein und so selbstverständlich spielen sie auch mit einer der feinsten Empfindungen: Heiterkeit. Wer das Atelier betritt kann nicht widerstehen, die Objekte nicht nur mit dem Verstand, sondern mit den Händen zu begreifen. Eine persönliche Begegnung offenbart die Gefühlswelt des Künstlers, seine Sehnsüchte, Begierden und Hoffnungen - sein Werk ist ein taktiles Feuerwerk der Menschlichkeit. Glaube, Hoffnung, Witz, Begierde, Liebe, Erotik. Bucurs Holz küsst, umarmt und vereint sich. In Bucurs Welt ist kein Raum für Zerstörung, obwohl er sein Material dekonstruiert. Der studierte Autokonstrukteur mit rumänischen Wurzeln schnitzt neues Leben in gefälltes Holz und belebt so seine in Demut gebettete, innerste Überzeugung immer wieder neu: Das Ende ist nur der kurze Moment vor dem Neubeginn — die Gegenwart davor gilt es zu feiern. Nikolaus Eberstaller